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Besuch der Familien Stein aus Israel

Vergangene Woche besuchte Hanan Stein mit Sohn und Tochter Büttelborn. Er ist der Sohn von Alfred Stein, der 1936 nach Palästina flüchtete und sich dort Naftali, nach einem seiner Vorfahren, nannte. Die Eltern Hermann und Lina Stein wohnten in der Mainzer Straße 10, er betrieb einen Getreide- und Futterhandel, sie ein Textilgeschäft. Tochter Ilse flüchtete ein Jahr vor Alfred nach Palästina, Sohn Arthur ging 1938 nach England. Hermann und Lina Stein wurden 1942 mit unbekanntem Ziel deportiert und ermordet.

Arthur und Hanan Stein besuchten bereits 1994 auf Einladung des Bürgermeisters Horst Gölzenleucher Büttelborn, Ilses Sohn Gideon Benski machte 2017 hier Station. Im Frühjahr 2011 wurden für die Familie Stein vor dem Haus Mainzer Straße 10 die ersten Stolpersteine in Büttelborn verlegt.

Familie Stein hatte den Wunsch, zunächst den jüdischen Friedhof in Groß-Gerau zu besuchen, wo einige Vorfahren beerdigt sind. Sie wurden am Vormittag von Vertreter*innen der Stolpersteingruppe Büttelborn, des Heimat- und Geschichtsvereins Büttelborn und der Gemeindeverwaltung begrüßt. Die Führung über den Friedhof übernahm der Vorsitzende des Fördervereins Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau, Walter Ullrich. Leider konnten nur zwei Grabsteine entdeckt werden, die Übrigen dürften infolge Verwitterung nicht mehr zu identifizieren sein.

In Büttelborn hatte die Familie Stein Gelegenheit, die Stolpersteine zu reinigen, zum Gedenken Blumen niederzulegen und die heute noch stehenden Teile des ursprünglichen Hauses der Großeltern zu besichtigen. Beim anschließenden Empfang im Rathaus, den der Fachdienst der Gemeinde Büttelborn vorbereitet hatte, durch Bürgermeister Markus Merkel entspann sich ein intensives Gespräch über den Umgang mit Gedenken, die Büttelborner jüdischen Familien, aber auch über das Leben heute in Israel.

Alle Teilnehmenden hatten den Eindruck, dass die Gäste sich hier willkommen und geehrt fühlten. Leider wird es in Zukunft kaum noch Gelegenheit geben, Nachfahren früherer Büttelborner Mitbürger*innen hier zu begrüßen. Lediglich zu den Nachkommen von Elsie Levy geb. Hirsch aus der Weiterstädter Straße 12 besteht noch Kontakt, die schon mehrfach Büttelborn besuchten.

Bürgermeister Marcus Merkel und der Fachdienst Kultur danken Herrn Ulrich Trumpold für die intensive Planung und Begleitung des Besuchs sowie dem Vorsitzenden des Förderverein Jüdische Geschichte und Kultur im Kreis Groß-Gerau e.V. Walter Ullrich für die fachliche Begleitung auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Gerau.

Stolpersteine umrahmt von weißen Rosen